Willkommen bei der Mensch zählt.

Kinderbücher, die Inklusion lebendig und nahbar machen

Willkommen bei Geschichten über Henry - "der-Mensch-zählt.de"

A cozy reading corner filled with colorful children's books about inclusion.
A cozy reading corner filled with colorful children's books about inclusion.

Was möchte ich mit meinen Kinderbüchern erreichen?


Ich möchte hinterfragen, wie wir in einer sehr leistungsorientierten auf Ellenbogen-Einsatz basierenden Gesellschaft miteinander umgehen.

Außerdem möchte ich anregen, ob dass die Welt ist, in der unsere Kinder groß werden und wir alt werden wollen?

Nicht nur behinderte Menschen sind pflegebedürftig, auch alte Menschen. Und alt werden wir alle. Somit hebt jeder der sich heute über die Übervorteilung eines behinderten Menschen freuen kann, evtl. seine künftige, eigene Grube aus.

In einer Gesellschaft die immer älter wird, durchaus eine Überlegung wert.

Es ist einfach, wie momentan vielfach politisch thematisiert, Menschen die sehr lange für ein bisschen Teilhabe gekämpft haben, diese wieder wegzunehmen. Denn hier geht es um Menschen, die sich nicht wehren können und die oft ganz am Schluss
kommen oder ganz vergessen werden.

Eine Umsetzung der Pläne zur Pflegereform bzw. Pflegeneuordnungsgesetz sowie der Pläne für die Kinder und Jugendhilfe wäre für Familien mit behinderten Kindern eine absolute Katastrophe. Und würde
- noch weniger Teilhabe für behinderte Menschen
- eine große Einschränkung für das Familienleben/Geschwisterkinder
- noch weniger Möglichkeit auf Berufstätigkeit für Mütter behinderter Kinder
- eine noch angespanntere finanzielle, gesundheitliche und psychische Situation für alle pflegenden Familien bedeuten.

Ich möchte, dass sich das Bewusstsein und Verständnis für diese Menschen ändert. Nicht nur, weil eines meiner Kinder behindert ist, Oder ich es Liebe, wie jede Muter ihr Kind liebt und sich ein würdiges und bestenfalls glückliches Leben für ihre Kinder wünscht, sondern auch, weil ich ehrlich der Überzeugung bin, dass diese Gesellschaft es besser kann.

Wir sind tolerant gegenüber anderen Religionen, Lebensformen, sexuellen Ausrichtungen usw., dann können wir dies auch bei körperlichen und geistigen Unterschieden sein. Wenn wir Deutschland mit einer funktionierenden Firma vergleichen, muss es Vielfalt geben. Der Macher, der Arbeiter, der Empathische der Ruhige der lieber wiederkehrende Arbeiten macht - jeder hat seine Stärken, jeder seine Schwächen. Die Erkenntnis, dass es nur mit einem Miteinander gut funktioniert und der Würdigung und Akzeptanz individueller Schwächen und Stärken, würde den großen Unterschied machen. Würden mehr behinderte Menschen integriert, hätte "die Firma" vermutlich die treusten und glücklichsten Mitarbeiter, Denn Vielfalt, Warmherzigkeit und Humor haben noch keinem Betriebsklima geschadet.


Was bedeutet für mich behindert?

Behindert heißt für mich "im Alltag behindet". Henry muß alltägliche Dinge oft mühsam und über einen langen Zeitraum lernen. Das ist vor allem für ihn ein Kraftakt und ich bin sehr stolz auf ihn, dass er oft ohne den Mehrwert zu erkennen, mitmacht und sich durch Alltagsthemen kämpft wie keine Windeln mehr zu benötigen, sich waschen können, selbstständig zu essen, bis hin zum Schwimmen lernen (versuchen wir seit 2 Jahren), rechnen (bis 20) und z.B. erstes Lesen (Henry ist mittlerweile 15 Jahre alt und das Buch bewusst ab seinem 8jährigen Ich verfasst, um verschiedene Entwicklungsstufen und Alltagssituationen auch in weiteren Büchern darstellen zu können).

Dabei unterscheide ich sehr genau, denn Henry ist keineswegs dumm. Er ist sogar sehr schlau, hat nur viel weniger Möglichkeiten und ich bin auf ihn genauso stolz, wie auf seine sehr fleißige Schwester im Gymnasium. Denn beide machen das Beste aus ihren Möglichkeiten und beide werden sehr geliebt!

Henry hat ein H in seinem Behindertenausweis. Das H steht für hilflos. Und genau so ist es. Da ist ein schützenswerter Mensch im Körper eines 15jährigen, mit ca. der sozial-emozionalen Entwicklung von einem 7 jährigen und der Frustrationstoleranz eines 3jährigen, sowie der kognitiven Entwicklung eines 5jährigen. Wenn Sie das jetzt verwirrt, dann überlegen Sie mal, wie es Henry geht.

Nein, ernsthaft. Wenn man sich dieses mögliche "Gefälle" bewusst macht, versteht man, warum sich behinderte Menschen in machen Situationen "anders" verhalten. Oft also keinesfalls schlechte Erziehung oder schlechtes Benehmen, sondern Selbstregulation in der Überforderung.

Große Unterschiede gibt es in einen behinderten-freundlichen, offenen Umfeld. Bei warmherzigen Menschen, die Verständnis haben, spürt dass ein emotional sehr intelligentes behindertes Kind sofort, wo es willkommen ist und wo nicht.

Ich möchte zu einem Miteinander aufrufen. Den Blick auf kindgerechte und humorvolle Art auf die Dinge wenden, die in unserem Land nicht so gut laufen. Wie z. B. Pflege und der Umgang mit kranken und behinderten Menschen. Ich möchte die Frage in den Raum stellen, wer möchten wir sein? Welche Werte leben und weitergeben und welche Zukunft wünschen wir uns, für uns und die Menschen die wir lieben?

In diesem Sinne - viel Spaß beim Lesen.

Herzlichst Ihre
Verena Hoppenz


Meine Perspektive

Ich kann natürlich nur aus der Perspektive einer Mutter schreiben mit einem geistig behinderten Kind mit seltenem Gendefekt. Eine Mutter mit einem körperlich behinderten Kind, würde vermutlich andere Geschichten schreiben. Denn es gibt nicht nur den einen Behinderten, Behinderung ist so vielfältig wie die Menschen an sich.

Was uns aber alle eint, ist die Liebe zu unseren Kindern und dass wir uns wünschen, dass deren Bedürfnisse mehr gesehen werden.

Ein weiterer Anreiz ist die momentane politische und gesellschaftliche Entwicklung. Seit z. B. 7 Jahren beobachten wir an der sonderpäd. Schule (und anderen sonderpäd. Schulen im Umkreis) unseres Sohnes, wie sich die Schülerzahlen verdoppeln. Dies bei gleichen Räumlichkeiten, was z.Tl zu völlig unpassenden Außenstandorten, ständigem Lehrermangel- und überlastung, was zu sehr vielen Schulzeitreduzierungen und viel größeren Klassengrößen geführt hat. Was dies für die Möglichkeit zur Berufstätigkeit von Müttern mit behinderten Kinden macht, kann man sich denken. Viel schlimmer ist jedoch, dass hier die Bedürfnisse und Teilhabe der Kinder immer mehr in den Hintergrund rücken. Kaum vorstellbar, wie das noch funktionieren soll, wenn noch mehr Gelder gekürzt werden.

Auch nicht nachvollziehbar, dass gerade in einem so zukunftsweisenden Bereich gespart wird und immer nur kurzfristig gedacht wird. Hier ist eine Investition sicher langfristig nicht nur für die behinderten Kinder, sondern für die Allgemeinheit rentabel. Wenn durch eine gute und qualitativ hochwertige Schulbildung mit ausreichend, gut ausgebildetem Lehrerpersonal ein selbstständiges Leben oder gar die Möglichkeit für eine Arbeit im ersten Arbeitsmarkt (mit Sozialabgaben usw.) ermöglicht würde, ist der allgemeine Mehrwert für alle Beteiligten ziemlich offensichtlich - der finanzielle aber auf jeden Fall.

Was würde ich konkret ändern

Ich wünsche mir das Pflege als berufliche Tätigkeit anerkannt und vergütet wird. Denn sonstige Arbeiten ist meist nebenher kaum oder gar nicht möglich. Somit leisten pflegende Angehörig 24/7 einen Rundumjob bei dem Hobbys, Gesundheit, eigene Interessen, Freundschaften aber vor allem Berufstätigkeit, finanzielle Absicherung und die spätere Rente massiv in den Hintergrund treten und "neue Hilfsbedürftigkeit der Pflegenden" generiert. Somit wird hier die Leistung, die durch viel zu wenige und zu teure Pflegeeinrichtungen gar nicht mehr geleistet werden könnten in keiner Weise honoriert. Ein Schlag ins Gesicht, das bisherige Rentenansprüche für pflegende Angehörige auch noch gekürzt werden sollen. Und wiedermal trifft es zum großen Teil Frauen. Weil Frauen lieben. Ihre Partner, Ihre Eltern und Ihre Kinder. Niemanden im Stich lassen und dafür leider in vielerlei Hinsicht benachteiligt werden.

Auch immer wieder wie ein Mensch zweiter Klasse behandelt zu werden. Sowohl das Kind, als man selbst ist aus meiner Sicht schlicht nicht verständlich. Was macht den Wert eines Menschen aus und wer will das beurteilen? Welche Beiträge des Einzelnen sind für ein gutes Miteinander entscheidend? Was ist wichtig im Leben?

Werte ohne Wertung wäre, wenn man anerkennt, dass Pflege in der vollen Konsequenz nur von Menschen beurteilt werden kann, die langfristig gepflegt haben. Was es bedeutet, Angst um den Gesundheitszustand eines geliebten Menschen zu haben, Schlafentzug, viele Arzt- und Therapiebesuche, unendlicher Bürokratismus, massiv eingeschränkte berufliche Möglichkeiten und vieles mehr, kann man am Besten beurteilen wenn man 24/7 betroffen ist.

Ich würde Inklusion da beginnen lassen, wo alles seinen Anfang nimmt. In der Kindheit. Ein spielerisches aber selbstvertändliches Miteinander wäre für alle eine Bereicherung, würde Berührungsängste gar nicht erst entstehen lassen und auch in späteren gemeinsamen Schulprojekten, Wohnformen oder in der Berufstätigkeit für eine endlich gelebte Inklusion sorgen und wäre ein großer Zukunftswunsch von mir.

Ich könnte mir mehr gemeinsame Schulprojekte von regulären Schulen und sonderpäd. Schulen vorstellen. Inklusive Cafés in jeder Stadt, eine Bereitschaft Stellen für die Bedürfnisse behinderter Menschen zu schaffen, die auf deren Möglichkeiten ausgerichtet sind um eine Beteiligung am ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen und gleichzeitig festzustellen, dass diese Menschen keineswegs nur nehmen, sondern ausgesprochen viel zu geben haben.

Auch würde ich mir wünschen, dass man anerkennt, dass innenpolitisch einiges passieren muss, denn nur ein Land dem es gut geht, kann auch weiterhin spenden und so hilfsbereit sein, wie Deutschland. Ich glaube nicht daran, dass eine Gesellschaft die nur nach unten tritt, funktionieren kann. Wenn man fördert, unterstützt und die Hand reicht, kann jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten seinen Anteil leisten und somit entsteht eine Gesellschaft, in der jeder seinen Platz hat, in der man gerne wieder Familie gründet, die Arbeit für alle ermöglicht und vor allem eine Gesellschaft die sich auf ihre Werte besinnt und in der man keine Angst Kinder in die Welt zu setzen, vor dem Alter oder Pflegebedürftigkeit haben muss.

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